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Expertenwissen

Karies

 

Wie entsteht Karies?

Karies ist eine Erkrankung der Zahnhartsubstanzen Schmelz und Dentin. Dies sind die beiden härtesten Substanzen, die der menschliche Körper herstellen kann. 

Wie kann nun gerade in diesen, so harten Strukturen Karies entstehen? 

Ursächlich sind hier ein paar wenige Bakterienarten, die Säure produzieren. Es lohnt sich dafür ein kurzer Blick in die Ökologie der Mundhöhle. Wir glauben derzeit, dass etwa 1000 verschiedene Bakterienarten im Mund leben, weiter unterteilt in verschiedene Stämme. Von diesen vielen Arten können wir etwa 500 züchten, also bestimmen und untersuchen. Nur eine knappe Handvoll davon sind in der Lage, Säure zu erzeugen und so den Zahn zu schädigen.

Diese dichte und stabile Bakterienflora ist einerseits ein Schutz vor schweren Infektionen im Mund. Sie stellt Enzyme zur ersten Aufspaltung der Nahrungsstoffe zur Verfügung und dient so mit dem Speichel gemeinsam der Aufschließung der Nahrung. Leider sind auch jene Bakterien, die uns Schaden zufügen können Teil dieser Gesellschaft und sowohl bei Gesunden, als auch bei Personen mit Erkrankungen in der Mundhöhle vorhanden.

Ein weiterer, wichtiger Faktor ist die Zeit. Wir kennen drei Stadien der Reifung der Plaque oder des Biofilms: nach 48 Stunden ungestörten Wachstums ist die Plaque in der Lage, Säuren zu produzieren, die unsere Zähne angreifen können. Wenn nun diese Säuren lange genug auf Schmelz oder Dentin einwirken, werden Teile der Mineralstoffe Kalzium, Phosphat und Fluoried herausgelöst. Werden nun die Zähne gereinigt, kann der Speichel diese Demineralisierung wieder reparieren. Die Gabe von Fluorieden in der Zahnpaste beschleunigt diesen Vorgang um ein Vielfaches. Solange sich De- und Remineralisierung die Waage halten, besteht ein fließendes Gleichgewicht und unsere Zähne bleiben gesund.

Wenn nun die Säureangriffe die Reparaturkapazität übersteigen, führt die fortschreitende Demineralisierung zum Zusammenbruch der organischen Stützstrukturen in Schmelz und Dentin und es entsteht in fließenden Übergängen ein weißer Fleck als Initialkaries, eine Schmelzkaries, die dann in das Dentin fortschreiten kann. Spätestens jetzt hat eine Zahnbehandlung zu erfolgen, bei der das erkrankte Gewebe entfernt und durch geeignete Füllungen, Inlays oder sonstige Restaurationen ersetzt wird. Bei ausbleibender Behandlung wird das Zahnmark angegriffen und eine wesentlich aufwändigere, aber auch risikoreichere Wurzelbehandlung wird die Folge sein.

Wie bekomme ich Karies? Ein Paradigmenwechsel

Fußend auf den Arbeiten Robert Kochs und Louis Pasteurs zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von Miller die „chemisch- parasitäre“ Kariestheorie formuliert, die erstmals auf die bakterielle Mischflora in der dentalen Plaque, heute als Biofilm bezeichnet, abzielte. Es folgte die „unspezifische“ Karieshypothese, die keine Rücksicht auf die bakterielle Zusammensetzung des Biofilms nahm, sondern Abwesenheit des selben mit Zahngesundheit und Anwesenheit mit Erkrankungen im Mund- Karies und Entzündungen von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat gleichsetzte.

Durch genauere Kenntnisse der bakteriellen Zusammensetzung des Biofilms wurde die „spezifische“ Karieshypothese formuliert, die besagt dass die Anwesenheit bestimmter Bakterien, allen voran Strptokokkus mutans und Lactobazillus für die Entstehung kariöser Läsionen verantwortlich seien. Daraus ergab sich die Forderung, diese Keime zu eliminieren, um Kariesfreihiet herzustellen.  Auch der Schutz vor „Infektionen mit diesen Keimen trat so in den Focus.

Da sich diese Bemühungen doch als nicht zielführend erwiesen, wurde die „ökologische“ Karieshypothese entwickelt und nun in die „erweiterte ökologische“ Karieshypothese übergeführt. Tatsache ist, dass sich im Biofilm gesunder Personen Keime finden, die für die Entstehung von Karies, Gingivitis und Parodontitis verantwortlich gemacht werden. Deren Verhalten ist stark vom umgebenden Milieu abhängig. Bestehen grundsätzlich gesunde Verhältnisse, können sich die „bösen Buben“ nicht ausreichend vermehren und keinen Schaden anrichten. Bei Anwesenheit von ausreichend „Zucker“, also kurzkettigen Kohlehydraten, vermehren sich die stark Säure bildeten Strptokokken auf Kosten der wesentlich weniger aggressiven „Generalisten“ und führen zu hoher Säureaktivität des Biofilms. Die Entstehung der Karies wird also weitgehend als Störung des Gleichgewichts zwischen gesunder bakterieller Besiedelung und dem Überwuchern krankheitserregender Keime einerseits und der Abwehr- und Reparaturkraft des Speichels, der Schleimhäute und der Zähne und den Säureangriffen der Bakterien andererseits aufgefaßt.

Dadurch wird die Säureaktivität des Biofilms stark erhöht und das Kariesrisiko steigt. 

Daraus folgt auch, dass die Hypothesen zur Übertragbarkeit von Karies entweder überhaupt hinfällig, oder zumindest nahezu unbedeutend sind und nur in den engen Zeitfenstern des Durchbruchs neuer Zähne ihre Berechtigung haben. Diese neuen Erkenntnisse sind daher in das Statement der Europäischen Gesellschaft zur Kariesforschung eingeflossen, das nun nicht mehr vor dem Anlecken des Schnullers oder des Trinkfläschchens warnt. Im Gegenteil scheint es einen Vorteil bezüglich der Entwicklung von Allergien und Asthma zu geben.

Wie wird Karies behandelt?

Das hängt ganz stark vom Stadium ab, in dem die Karies entdeckt wird. Sogenannte Initial-, Schmelzkaries oder White Spot kann geheilt werden, indem die Stelle gründlich gereinigt wird, ohne die Oberfläche zu beschädigen, mit Fluorid versorgt wird und in der häuslichen Pflege über lange Zeit intensiv fluoridiert wird und in einem engmaschigen Recall professionell betreut wird. Ein erhöhtes Angebot von Kalzium, Phosphat und Fluorid verbessert die Remineralisation des Schmelzes. Dadurch ist es möglich, dass einerseits Mineralstoffe mit Hilfe des Flourids wieder eingelagert werden und die Stelle so remineralisiert wird, andererseits unterliegt diese Oberfläche einer etwas stärkeren Abnutzung und die am stärksten geschädigten, obersten Mikrometer werden abgetragen.

Wenn die Kariesstelle dieser „erweiterten natürlichen Reparatur“ nicht mehr zugänglich ist und die Schädigung bis in das unter dem Schmelz liegende Dentin vorgedrungen ist, muß die geschädigte Substanz durch Füllungsmaterialien ersetzt werden- siehe Kompositfüllungen, Inlays, etc.

Es gibt die homotoxikologische Auffassung der Karies als Degenerationserkrankung rechts des biologischen Schnittes, woraus sich die Möglichkeit ergäbe, diese auch wieder zu heilen. Das ist leider nicht möglich, da Schmelz nur im mikroskopischen Bereich regenerationsfähig ist und Dentin überhaupt nicht.

Georg F. Piehslinger

Mednanny Zahnarzt Dr. Piehslinger in Wien

Mednanny Zahnarzt Dr. Piehslinger in Wien